Joh. 10,9-10:
9 Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide fin-den.
10 Ein Dieb kommt nur, um zu stehlen, zu schlachten und umzubringen. Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.
"Ich bn die Tür" Konficheck
Liebe Gemeinde, liebe Konfirmanden!
Das Bild von der Tür ist sehr vielseitig. Es gibt ganz unter-schiedliche Türen. Sie stehen für neue Räume und neue Möglichkeiten, die sich erschließen. Sie verschaffen Zutritt oder verwehren den Eintritt. Türen können Schutz bieten oder gefangen nehmen.
Eindrücklich war für mich ein Besuch im Heimsheimer Ge-fängnis. Viele Türen mussten vom Gefängniswärter aufge-schlossen werden und vielen danach hinter mir wieder ins Schloss. Endlich kam ich in den Raum, in dem sich der Bi-belkreis des Gefängnisses traf. Viele der Besucher waren Christen. Einige waren erst hier im Gefängnis zum Glauben gekommen. Mein Gedanke: Äußerlich sind diese Leute noch gefangen. Aber innerlich sind sie schon frei. Da hat sich be-reits eine Tür zur Freiheit geöffnet.
Jesus stellt sich vor. Er sagt, wer er ist. Dabei verwendet er das Bild von der Tür. Er sagt: „Ich bin die Tür!“ Er macht deutlich: „Ich bin die Tür zu Gott“.
Ich bin die Tür zu Gott
„Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide fin-den.“
Die Bahaireligion sieht das anders. Die Tempel der Bahai sind oft Rundbauten mit neun verschiedenen Türen. Jede Tür steht für eine der großen Religionen. Über jeder Tür steht der Name des jeweiligen Religionsstifters. Auch der Name Jesus Christus steht über einer Tür. Die Botschaft ist klar: Nicht eine Tür, nein viele Türen führen zu Gott. Such‘ dir eine aus und lass die anderen ihre eigene Tür finden, durch die sie zu Gott kommen wollen.
Die Philosophie der Bahai trifft genau das Lebensgefühl des modernen Menschen. Eine Tür zu Gott, ein einziger Weg, der zum Ziel führt, das bringt uns doch nicht weiter. Das schafft doch nur Konflikte. Das ist doch völlig intole-rant.
Aber was ist, wenn das wahr ist? Was ist, wenn es wirk-lich nur eine einzige Tür zum Himmel und zum erfüllten Leben gibt? Wäre es dann nicht lieblos und unverantwortlich, den Menschen diese Tür vorzuenthalten?
Jesus sagt unmissverständlich: „Ich bin die Tür zum Him-mel. Ohne mich tut sich keinem die Tür zum Himmel auf. Wenn Gott eure Gedanken, Worte und Taten beurteilt, könnt ihr niemals vor Gott bestehen. Die Tür zum Himmel tut sich keinem auf. Sie bleibt verschlossen. Jeder, der et-was anderes behauptet, ist ein Dieb. Er bringt euch um die Wahrheit, er stiehlt euch eure Zeit, er bringt euch um euer Geld und nimmt euch am Ende das Leben.“
Und da sehen wir Jesus, den Sohn Gottes, wie er am Kreuz hängt. Die Strafe für unsere Schuld, die uns gilt, nimmt er auf sich und stirbt an unserer Stelle. Am Ende ruft er laut: „Es ist vollbracht!“ In dem Augenblick zerreißt im Tempel der Vorhang, der den hochheiligen Bereich, den Bereich der Gegenwart Gottes von den Vorräumen des Tempels trennte. Die Tür ist offen. Der Weg ist frei. Aber er führt über Jesus. Jesus sagt: „Ich bin die Tür!“
Die Tür zu kennen ist die eine Sache. Durch die Tür zu ge-hen ist die andere Sache. Die Rettung ist an eine Bedingung geknüpft. Um gerettet zu werden, musst du hineingehen. Je-sus sagt: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hinein-geht, wird er selig werden.“
Hineingehen – und selig werden
Jesus vergleicht sich mit der Tür zum Schafstall. Dort im Schafstall sind „seine Schafe“. Dort sind die, die zu ihm gehören. Im Schafstall sind sie sicher.
Nun bleiben aber viele draußen vor der Tür stehen. Sie haben eine gewisse Schwellenangst. Sie fragen sich: Was passiert, wenn ich durch die Tür gehe? Was wird sich für mich dann ändern? Wie wird mein Leben sein, wenn ich zu denen da drin gehöre? Wird mich der Stallgeruch der ande-ren stören? Wird meine Freiheit eingeschränkt, wenn ich Jesus die Verantwortung für mein Leben überlasse?
Eine Entscheidung ist notwendig: „Jetzt fasse ich mir ein Herz. Ich gehe durch die Tür und betrete den neuen Raum eines Lebens mit Jesus.“ Diese Entscheidung drückt sich in einem Gebet aus, in dem ein Schritt auf Jesus zu getan wird: „Herr Jesus, hier bin ich, ich komme zu dir und stehe dir zur Verfügung. Ich möchte ein Leben mit dir beginnen. Sei du mein Herr.“
Jesus wird auf diesen Schritt durch die Tür antworten und das tun, was er versprochen hat: „Wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden.“ Er wird dich retten und für dein Leben Verantwortung übernehmen. Der Schritt durch die Tür ist wie der Schritt durch die Gefängnistür in die Freiheit. Das Gefängnis der Schuld, der Angst und der Hoffnungslosigkeit tut sich auf. Ein neues Leben in der Beziehung zu Jesus beginnt.
Diese Rettung ist jedoch nur die eine Seite. Sie kann nie das Ziel unseres Lebens sein. Wenn ein Gefangener das Gefängnis verlässt und frei wird, dann geht es darum, dass sein Leben draußen außerhalb der Gefängnismauern gelingt.
Davon spricht Jesus, wenn er sagt: „Er wird ein und ausge-hen und Weide finden.“
Ein und ausgehen – und Weide finden
Was Jesus unter „Weide finden“ versteht, führt er noch einmal mit den Worten aus: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen.“ Leben heißt der zentrale Begriff. Darum dreht sich alles. Es geht nicht ums Überleben oder um ein Leben auf Sparflamme, sondern um ein Leben im Überfluss.
Paulus spricht davon, dass wir nicht nur begnadigt, sondern „herrlich begnadigt“ wurden. Es ist ein Unterschied, ob einer aus dem Gefängnis nur begnadigt wurde oder ob er nach seiner Begnadigung vom Gefängnis mit dem Taxi abgeholt wird, von seinen Freunden jubelnd empfangen wird, in einem hübschen Eigenheim wohnen darf und die Spitzenposition einer namhaften Firma bekommt. Aber genau das ist der Fall, wenn wir zu einem Leben mit Jesus befreit werden. Jesus gibt Leben im Überfluss.
Jesus will mit seinen Möglichkeiten dein Leben verän-dern und gestalten. Ich kann sagen: Wenn ich nicht vor 37 Jahren durch die Tür zu einem Leben mit Jesus gegangen wäre, wäre mein Leben völlig anders verlaufen. Ich hätte wahrscheinlich eine andere Frau geheiratet, einen anderen Beruf ergriffen und meine Persönlichkeit hätte sich ganz anders entwickelt.
Jesus beschreibt, wie das Leben mit ihm aussieht. Er sagt: „Du wirst ein- und ausgehen und Weide finden.“ Abends gehe ich hinein durch die Tür. Ich ruhe mich aus. Am Beginn des neuen Tages konzentriere ich mich auf Jesus, den guten Hirten und höre auf das, was er mir sagen will. Ich bespreche im Gebet alles mit ihm. Dann gehe ich hinaus und lasse mich von ihm auf das Weidefeld des Tages führen. Alles verbinde ich mit ihm. Alles was ich mache, mache ich unter seinen Augen.
Ich stelle fest: „Ich finde Weide!“ Ich bekomme, was ich brauche an Kraft und an Freude für mein Leben. Er lässt vieles gelingen. An vielen Stellen sehe ich, wie er mich führt.
Jesus ist die Tür. Er ist die Tür zu Gott. Er sagt: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein- und ausgehen und Weide finden.“ Wir sind eingeladen, durch die Tür, die Jesus heißt, einzutreten in ein Leben mit Gott. Amen